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Die Hintergrundserie „Composable Software“ ist abgeschlossen. Mit einem Artikel, in dem ich die große Chance in den Vordergrund stelle, die der Industriestandort Deutschland beziehungsweise D,A,CH mit den Smart Automation Plattformen aus Deutschland und Österreich hat (zum Schlussbeitrag der Hintegrundserie Composable Software). Denn das scheint mir im Moment die wichtigste Innovation zu sein, die die Industrie mit Containersoftware entwickelt. Aber fehlende Informationen über praktische Anwendungen, und seien es nur Pilotanwendungen, lassen befürchten, dass die Industrie diese Chance nicht rechtzeitig wahrnimmt. Die chinesische Industrie wird sicher nicht lange brauchen, um den vorhandenen Vorsprung zu toppen.

Als ich mit der Hintergrundserie im November 2022 mit einer Einleitung begann, war für mich Containersoftware noch etwas Unbekanntes. Die Softwaresysteme, mit denen ich mich über Jahrzehnte beschäftigt hatte, waren und sind aus einem anderen Stoff gestrickt. C++, Pascal und andere Hochsprachen waren vor 30, 40 Jahren das Höchste der Technik, das für CAD/CAM und Co. zur Verfügung stand.

Bei näherer Betrachtung der Möglichkeiten von Containersoftware auf der Basis von Echtzeit-Linux war schnell klar: Wenn die Industrie damit endlich den Anschluss an die Technologie der IT in Cloud und Internet findet, dann wird sie es wahrscheinlich in der Produktion zum Einsatz bringen. Denn dies ist der wichtigste Prozess, dessen Kosten über die mögliche Wetschöpfung eines Produzenten, über Gewinn und Verlust entscheiden.

Und richtig, es gab erste offene, Linux-basierte Plattformen für die Industrie, die natürlich die Automatisierung im Fokus hatten. Und zwar von Automatisierern, die jahrzehntelang an einer proprietären OT geklebt hatten.

Ich sprach die Anbieter an und hatte die Idee, sie in einer eigenen Marktübersicht nebeneinander zu stellen. Kaum online, meldeten sich eine Reihe weiterer Anbieter. Teilweise Start-ups und Firmenausgründungen nur für die Plattform. Zwei aus meinem alten Kundenkreis glaubten anfangs, mithalten zu können. Aber schon bei der erten Aktualisierung der Marktübersicht verweigertem sie die Antwort und stiegen aus. Das war ihnen zu OT-lastig. Und vermutlich zu unheimlich offen.

Es sind derzeit folgende 13 Hersteller offener Plattformen, die in der Marktübersicht zu finden sind:

Bosch Rexroth mit ctrlX AUTOMATION, FLECS Technologies mit FLECS, German Edge Cloud mit ONCITE DPS, Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mit netFIELD, KEB Automation KG mit NOA, KEBA AG mit Kemro X, Lenze mit Lenze NUPANO, Phoenix Contact mit PLCnext Technology, SALZ Automation mit SALZ Controller, TTTech Digital Solutions mit Ubique, TTTech Industrial Automation AG mit Nerve, WAGO mit WAGO OS und WAGO ctrlX OS, und Weidmüller mit u-OS und easyConnect.

Ihre wichtigste Messe ist nicht mehr die Hanover Messe, sondern die SPS (Smart Production Solutions) in Nürnberg. Sie werden wohl wieder alle dort vertreten sein und zeigen, was ihre Plattformen können, wie sie auf den Cyber Resilience Act (CRA) vorbereitet sind, und sicher werden sie wieder mit Partnern auftreten, die auf ihren Plattformen interessante Software bieten.

Hoffentlich gibt es dann auch den einen oder anderen Industriebetrieb, der schon zeiugen kann, was diese Plattformen in der praktischen Anwendung von der alten OT unterscheidet. Es ist nach meiner Einschätzung zur Zeit tatsächlich eine sehr bedeutende, wenn nicht die einzige wichtige Innovation einer Industrie, die ansonsten eher durch eine an die Wand gemalte De-Industrialisierung Schlagzeilen macht. Viel Zeit wird nicht bleiben. Vielleicht fünf Jahre beträgt der Vorsprung. Und wer China in den letzten zehn Jahren besucht hat und weiß, wie schnell gerade die Digitalisierung dort auf der Überholspur ist, der weiß, dass fünf Jahre nicht viel sind.

Ich wünsche den Plattformen und den vielen jungen Container-Software-Spezialisten viel Erfolg. Nur mit ihrem Einsatz wird aus den Containern Composable Software.