Laut einer von techconsult durchgeführten Studie sehen 74 Prozent der Befragten ihren Unternehmenserfolg im Einsatz von Individualsoftware begründet. Eine interessante Studie, auch wenn sie die große Grauzone individuell angepasster Standardsoftware nicht ausleuchtet.

Am 3.2.22 gab das Research- und Analystenhaus techconsult in Kassel in einer Pressemitteilung die Ergebnisse der Studie bekannt, die 2021 im Auftrag von Dr. Eckhardt + Partner durchgeführt wurde. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen mit der Pandemie sehen laut der Studie zahlreiche Unternehmen in Individuallösungen ein wichtiges Mittel für Innovationssprünge und Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Aber noch eine ganze Reihe weiterer strategischer Überlegungen sprechen in vielen Unternehmen für Individualsoftware. (siehe Grafik 1)

Grafik 1, techconsult

Für die veröffentlichte Studie „Status quo – Einsatz von Individualsoftware in deutschen Unternehmen“ wurden insgesamt 201 IT- und Softwareentscheider aus deutschen Unternehmen zum Einsatz und den Einsatzgründen von individuellen Softwarelösungen befragt. Darunter bildeten die Industrieunternehmen mit 30 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von Dienstleistung (18%), Telekommunikation (11%), öffentliche Verwaltung (10%), Handel (10%) und anderen.

Obwohl die Industrie die größte Teilgruppe darstellte, waren die Fragestellungen nicht speziell auf die Industrie gemünzt. Das sieht man, wenn man die mir von techconsult dankenwerterweise zur Verfügung gestellten Daten einzelner Punkte nach Gesamtheit und Industrie aufschlüsselt, etwa beim Einsatz von Software für Supply-Chain-Management. Während in der Geamtheit hierfür nur knapp jeder zweite Standardsoftware einsetzt, sind es in der Industrie fast zwei Drittel. Und daran ändert sich auch künftig nichts gegenüber dem derzeitigen Stand.
(siehe Grafik 2)

Grafik 2, Ulrich Sendler nach Daten von techconsult

Noch deutlicher wird der Unterschied beim Einsatz in der Produktionsplanung, einem der zentralen Felder der Industrie. In der Gesamtheit sinkt künftig der ohnehin schwache Einsatz von Standardsoftware, in der Industrie steigt er. Umgekehrt wächst künftig in der Gesamtheit der Einsatz von Individualsoftware, aber in der Industrie geht er zurück. (Grafik 3, Ulrich Sendler nach Daten von techconsult)

 Grafik 3, Ulrich Sendler nach Daten von techconsult

Andere industrielle Einsatzfelder von Software wie Produktdesign, Systementwicklung, Produktions-Engineering oder Simulation mit digitalen Zwillingen waren im Fragenkatalog nicht vorgesehen.

In den Kernprozessen der Industrie sind in der Regel zahlreiche Standardsoftwaresysteme im Einsatz, die nur in Ausnahmefällen im ursprünglichen Funktionsumfang genutzt werden. Meist werden sie angepasst, erweitert, unternehmensspezifisch umgemodelt, so dass sie den konkreten Bedarf erfüllen. Genau dort liegt die größte Herausforderung der Industrie bei ihrer weiteren Digitalisierung. Der auch in der Industrie zunehmende Trend in Richtung Cloud und Software as a Service macht die Frage noch brennender, wie künftig die Kombination aus Standardsoftware und Eigenentwicklung gelingt.

Dazu scheint eine Studie sinnvoll, die ausschließlich Unternehmen der Fertigungsindustrie untersucht.