Auf der Pressekonferenz während der SPS in Nürnberg am 8.11.2022 präsentierte Rainer Brehm, CEO von Siemens Factory Automation, sein Unternehmen nicht nur mit neuen Produkten und Diensten, sondern vor allem mit interessanten Öffnungen bezüglich der Softwaretechnologie. Siemens unterstützt den Standard Kubernetes und Container-Technologie. Die wohl wichtigsten Neuigkeiten betrafen den Xcelerator und Industrial Edge.

Noch bis zum Sommer 2022 konnte man den Eindruck haben, Xcelerator sei vor allem ein neuer Name für das gesamte Angebotsportfolio von Siemens Digital Industries Software. Also eigentlich nichts Neues. Jetzt entpuppt sich das Projekt als Grundstein für eine offene, modulare Businessplattform. Siemens unterstützt dabei Standard-APIs (Application Programming Interace), über die Partner, Kunden und Entwickler direkt mit Siemens-IT kommunizieren können.

So werden die Cloud-Plattform MindSphere, das Low-Code System Mendix, sowie die schnell wachsende Zahl von cloud-nativen Apps und Diensten zu wichtigen Mosaiksteinchen eines neuen Gesamtbildes, in dem nicht mehr die eine oder andere Marke im Vordergrund steht, sondern die Ermöglichung des für den Industriekunden optimalen Mix. Foto (Siemens): Rainer Brehm, CEO Siemens Factory Automation

Siemens berichtete von einem wachsenden Ökosystem von Partnern, die auf dieser Basis zusammenarbeiten. Ein Beispiel während der Messe in Nürnberg: Mit der blue automation GmbH, Digital Industries World e.V., Mytra, Wireless Consulting und Zscaler wurde gezeigt, wie eine Zusammenarbeit über Firmen- und Sektorengrenzen Kundenmehrwert generiert.

Das Hauptthema des vor 25 Jahren begonnenen Wegs zur „Totally Integrated Automation TIA)“ heißt heute „Konvergenz von OT und IT“, also die Verschmelzung von Operation Technology und Information Technology. Und auch hier schlägt Siemens den Weg zu offenen Standards ein, über die Mitarbeiter in der Produktion mit IT-Fachleuten die Verschmelzung von IT mit einer Datennutzung im Sinne eines Internet of Things vorantreiben können. Genannt wurden neben den APIs die Container-Standards Docker und Kubernetes, die nun ganz offiziell von Siemens unterstützt werden.

In der Pressemitteilung heißt es: „Zum Beispiel mit dem neuen Industrial Edge Management System V2.0. Dieses ist verfügbar für das in der IT weit verbreitete Open-Source-System Kubernetes zur Verwaltung von Container–Anwendungen. Siemens adressiert damit die zunehmende Anzahl von IT-Anwendern in der industriellen Produktion. Sie können nun Industrial Edge einfach in bestehende Kubernetes-Cluster integrieren und damit die Automatisierung auf dem Shopfloor IT-orientierter, effizienter und einfacher managen. Da die Rechenleistung innerhalb eines oder mehrerer Kubernetes-Cluster flexibel zugeteilt werden kann, sparen Unternehmen IT-Ressourcen und damit Energie und Kosten. Das geht nun auch mit Industrial Edge.“

Auch für das TIA Portal, ursprünglich das Tool für die OT und damit zunächst vor allem für Produktionsplanung und -steuerung, wurden entsprechende Neuerungen bekanntgegeben.

Siemens nennt dazu etwa den IT-orientierten Ansatz von SIMATIC AX: „Damit können jetzt auch IT-Anwender Engineering-Funktionalitäten in Visual Studio Code programmieren. Ihnen stehen Mechanismen wie Git-Versionierung, Unit-Testing oder Objektorientierung zur Verfügung. Die in Structured Text erstellten Bibliotheken lassen sich dann nahtlos in das TIA Portal integrieren. Da SIMATIC AX auch cloudbasiert ist, kann es schnell und leicht zu jeder Zeit und an jedem Ort heruntergeladen und aktualisiert werden.“

Einer der größten Anbieter von monolithischen Systemen forciert offene Standards. Die Richtung stimmt.