2017 gab Schaeffler bekannt, dass man trotz langen Jahren als Nutzer von PTC-Software zwecks Integration und Durchgängigkeit der Daten auf ein unternehmensspezifisches „Engineering Cockpit“ mit Aras setze. Am 25.1.2022 geben nun Schaeffler und PTC die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zur Begründung einer strategischen Partnerschaft bekannt. Von Aras ist dabei keine Rede und bei Schaeffler hinsichtlich Aras niemand zu sprechen.

Unterzeichnung der strategischen Allianz per Videoschaltung. v.l.: Jim Heppelmann, CEO, PTC; Kevin Wrenn, Executive Vice President Products bei PTC; Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung der Schaeffler AG; Rainer Eidloth, Leiter F&E Prozesse, Methoden & Tools bei Schaeffler (Foto Schaeffler)

Schaeffler ist keine unbekannte Größe im Engineering. Als wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie wie für andere Industrien, als Hersteller von Präzisionskomponenten und Lagern unterschiedlichster Art, die eine wichtige Rolle etwa in der vernetzten Mobilität spielen, sehen Spezialisten in anderen Unternehmen Schaeffler nicht selten als Vorbild für ihre Prozesse und deren Digitalisierung. Deshalb lassen Entscheidungen etwa für PLM oder ALM, also für Produkt-Lebenszyklus Management (Hardware) oder Application Lifecycle Management (Software), viele aufhorchen.

In der Pressemitteilung heißt es, dass Schaeffler im Rahmen der neuen Allianz „auf PTC-Lösungen standardisieren wird, um eine integrierte, durchgängige IT-Landschaft zu implementieren.“ Das bedeutet ein eindeutiges Zurück zur Standardsoftware: „Schaeffler möchte die Erfahrung und die robusten End-to-End-Lösungen von PTC nutzen, um von einer kundenspezifischen Engineering-IT-Umgebung zum Einsatz von Standardanwendungen im gesamten Unternehmen überzugehen.“ Offensichtlich erwartet man sich von diesem Schritt also zugleich eine deutliche Ausdehnung der Digitalisierung auf andere Bereiche des Unternehmens, in denen Engineering Software nicht genutzt wird.

Die Integration der Softwaresystementwicklung mit der Gesamtproduktentwicklung, also ALM mit PLM, hat dabei besonderes Gewicht: „Ziel ist die unternehmensweite Integration der Software- und Systementwicklungslösungen (Application Lifecycle Management und Model-Based Systems Engineering).“

Schaeffler werde gleichzeitig und langfristig „PTC bei der Weiterentwicklung von marktspezifischen Standardlösungen unterstützen, um die Anforderungen von Automobil- und Industrieunternehmen noch besser zu erfüllen.“ Das klingt nach einer Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen.

Über die genaueren Gründe für den Strategiewechsel wüsste man gerne mehr. Aber dazu gibt es in der Verlautbarung wie üblich erst einmal nichts. Mein Eindruck ist: Es bleibt schwierig für die Fertigungsindustrie, „die“ Lösung hinsichtlich der am besten passenden Tools für ihre sehr komplexen Anforderungen zu finden.

Standardisierung und Modularisierung in Verbindung mit einer Zunahme der Nutzung von Cloud-Diensten ist ein klarer Trend. Aber die Möglichkeit der einfachen kundenspezifischen Anpassung und Ergänzung ist damit nicht vom Tisch. Eins geht nicht ohne das Andere. Vielleicht hilft die erneuerte Allianz von Schaeffler und PTC dabei, über das bisherige Entweder/Oder hinauszukommen.