Mit rund 500 Teilnehmern fand die Contact Open World vom 13. bis 15. September wieder als persönliches Netzwerk von Anbieter, Partnern und Kunden in Bremen statt. Das Motto: „Shape the sustainable future now!“ Die gut gefüllte und besuchte Ausstellung und zahlreiche Vorträge boten reichlich Stoff für intensives Networking. (Alle Bilder Sendler)

Viele IT-Anbieter reden heute von Offenheit der IT. Wenige haben so gute Gründe dafür wie der Softwareanbieter aus Bremen, der schon seit einem guten Jahrzehnt seine Systeme entsprechend umgebaut hat.

Angefangen hatte alles für Gründer und Geschäftsführer Karl Heinz Zachries vor 32 Jahren mit PDM, das schon bald zu PLM wurde. Heute sieht er mit Bezug auf Analysten wie Gartner und CIMdata – CEO Peter Bilello war vor Ort –, dass PLM in Kombination mit IoT, AI und Cloud eine Schlüsselrolle bei der digitalen Transformation einnimmt. Flexible Baukastenstrukturen helfen, auf Basis von Digital Twins einen durchgängigen Informationsfluss zu realisieren und die Agilität der Unternehmen zu steigern.“ (aus dem Unternehmensbericht 2022)

Sein ältester Sohn Maximilian Zachries, Mitglied der Geschäftsführung, eröffnete die Konferenz am 14.9. mit einer Vorstellung der Strategie, mit der Contact der Industrie helfen will, auf die überwältigenden Herausforderungen der Gegenwart erfolgreich zu antworten. Die Composable Architecture des Baukastens, der schon seit Jahren Contact Elements heißt, stellte er als eine Säule des Lösungsangebots dar. Die Closed Loop zwischen PLM und IoT samt einer modernen Benutzerführung als die andere.

In die Tiefe ging Frank Patz-Brockmann, der über die letzten Jahrzehnte als Entwicklungsleiter dafür gesorgt hat, dass die Software aus Bremen inzwischen auch von Gartner als besonderes Beispiel für schnell veränderbare und leicht zusammenzusetzende Systeme herausgestellt wird. Die modulare, nicht monolithische Komponentenarchitektur beschrieb Patz-Brockmann eindrücklich in ihren besonderen Merkmalen: REST API, Entwicklung mit Open Python und Eclipse sowie Low-Code als Kernelemente.

Mehr als 450 Mitarbeiter zählt Contact Software mittlerweile. Allein die Softwareentwicklung zielt im kommenden Jahr auf 150 Spezialisten. Ein deutsches, familiengeführtes Unternehmen des industriellen Mittelstands tritt den Gegenbeweis zur gerne in Talkshows vertretenen Behauptung an, der Standort Deutschland sei in Sachen Software und KI hoffnungslos abgehängt. In Bremen war das Gegenteil zu sehen. Die international ganz Großen der Industriesoftware haben erst in den letzten Jahren erkannt, wie wichtig die Ausrichtung ihrer gesamten Architektur auf Internet und Cloud wird. Die Contact Elements haben den entsprechenden Umbau bereits hinter sich.

Frank Patz-Brockmann bei der Erläuterung der modularen Baukastenarchitektur Contact Elements. Cloud-Ready, leicht skalierbar und an die sich immer schneller ändernden Anfordeungen der Kunden anpassbar.

Auch international steigt die Nachfrage, wie Michael Murgai, der auch für das globale Partnernetzwerk verantwortlich ist, durch ein Versammeln der wichtigsten Partner auf der Bühne zeigte. Asien, Amerika, Europa – die Nachfrage steigt rapide, und das drückte sich allen Krisen zum Trotz auch in zahlreichen Anreisen per Flug über mehr als 15 Stunden aus.

Einen der beeindruckendsten Kundenvorträge brachten Thomas Binder und Alexander Langer von Thyssenkrupp Dynamic Components, ein weltweit führender Hersteller von Nockenwellen, Rotorwellen für Elektromotoren und anderen Komponenten für nahezu alle namhaften Automobilhersteller. Dort sah man sich 2019 vor der Aufgabe, innerhalb kurzer Zeit in Produktion und Wartung auf digitale Methoden umzustellen, um die Kunden in ihrem gewaltigen Umbruch vom Vergaser zur Elektromobilität und in ihrer digitalen Transformation zu begleiten. Endgültig weg von papierenen Arbeitsblättern und schwerfälligen Anpassungen der Prozesse sollte es zu größtmöglicher Flexibilität und Transparenz gehen. Und das in zehn Werken weltweit. Die Entscheidung fiel für Contact Software.

Ein neues System wurde gemeinsam gestaltet, das wenig mit herkömmlichen MES-Paketen zu tun hat. CPOS heißt es, und das Kürzel steht für Centralized Production Operating System. Die abgebildete Zeitlinie des Projekts lässt staunen: Vom Kick-pff im Februar 2021 nicht einmal 12 Monate bis zum ersten Go-Live im Januar 2022, und noch im November 2022 wird auch das letzte der zehn Werke weltweit seine Produktion und Wartung auf CPOS umgestellt haben.

In der begleitenden Ausstellung stellten sich neben Partnerunternehmen und Systemintegratoren auch eine Reihe von Forschungseinrichtungen und Instituten vor, die eng mit dem Softwarehaus kooperieren. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die eine erfreuliche Aufbruchstimmung vermittelte.